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Die zwei Seiten der Medaille


Etwa acht Milliarden Euro verspielen die Deutschen jedes Jahr bei Fußball, Formel 1 oder Eishockey. Eine große Mehrheit von ihnen tut dies illegal, oft ohne, dass sie es wissen. Besonders nichtstaatliche Anbieter haben die besten Chancen.

Als die Vereine Bayern München und VfL Wolfsburg die neue Bundesligasaison eröffneten, waren nicht nur viele Fußballfans begeistert, auch die Sportwetten Anbieter lachten sich ins Fäustchen.

Das Geschäft floriert. Nach einer Umfrage der Forsa setzen mehr als 90 Prozent der Teilnehmer ihre Wetten in Sport Glücksspielen im Netz, die Fußballthemen hatten. Gesamt setzten sie einen Betrag von knapp 8 Milliarden Euro. Der Gewinn hat sich seit 5 Jahren mehr als verzweifacht.

Ob die Anzahl der Tore gesamt oder in einer der beiden Halbzeiten beim Sport, ob die Zahl der Eckbälle oder die Rückennummer des Spielers, der die erste gelbe Karte bekommt, die Wettmöglichkeiten kennen hier keine Grenzen. Einfach nur Sieg oder Niederlage ist Vergangenheit, es muss schon etwas Spannenderes sein.

Je Spiel hat man auch die Möglichkeit, auch live auf unterschiedliche Resultate, wie beispielsweise das nächste Tor oder den nächsten Einwurf setzen. Denn die Buchmacher halten immer wieder neue Wetten im Internet parat. Zutritt zu den Sportwetten zu bekommen ist recht leicht. Man kann bei den meisten Anbietern in Netz ein Wettkonto aufmachen. Mehr mittels Kreditkarte bezahlt, kann sofort starten.

Einsätze, die per Überweisung getätigt werden, dauern aber ein paar Tage. Bei einigen Anbietern kann man schon einen Tippeinsatz von einem halben Euro tätigen. Doch die meisten Tipper handeln unrechtmäßig. Denn der die Bundesrepublik hat seit etlichen Jahren ein Monopol auf Glücksspiele. Hiernach dürfen Lotterien, Spielbanken und Sportwetten, ausgenommen Pferdewetten, nur unter den Augen der Länder durchgeführt werden.

Die zahlreichen Angebote an Sportwetten im Netz gehören nicht dazu. Mit dem Staatsmonopol will man vermeiden, dass die Bürger, der Spiel- und Wettsucht anheimfallen. Die gesetzlichen Regulierungen in Bezug darauf, findet man im aktuellen Glücksspielvertrag, der 2008 in Kraft trat.

Diese Regelung hat in der Bundesrepublik mittlerweile einen großen Graumarkt geschaffen, was eine Konsequenz des Wettmonopols ist. Nach einer aktuellen Studie von Goldmedia flossen 94 Prozent der Wettgewinne zu Privatanbietern, die eigentlich gar nicht existieren dürften. Im Prinzip ist das Mitspielen bei Sportwetten im Netz untersagt, so der Düsseldorfer Rechtsanwalt und Glücksspielexperte Terhaag.

Grundlage ist der § 285 des StGBs, nach dem das Mitmachen an unrechtmäßigen Glücksspielen mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem halben Jahr oder einer Geldstrafe belegt werden kann. Es sei ihm in seiner jahrelangen Berufserfahrung noch kein einziger Fall begegnet, in dem die Teilnehmer an Sportwetten rechtlich belangt worden wären, so Terhaag.

Die Wettbegeisterten juckt das sowieso nicht. Etwa die Hälfte der Einsätze bei Sportwetten wurden in der Bundesrepublik im letzten Jahr im Internet abgegeben, so ein Goldmedia Berater. Nach aktuellen Ziffern der Unternehmensberatung existieren über 500 Angebote in deutscher Sprache. Dazu gehören auch Casino- und Poker Portale. Das Angebot im Netz werde immer breiter, so der Berater. Dahinter verstecken sich meistens Buchmacher in London, Online-Plattformen aus Österreich und Anbieter mit Sitz in Steueroasen.

Neben den Online Anbietern ist vor allem auch eine Vielzahl stationärer Wettbüros. In der Studie geht Goldmedia für das letzte Jahr von etwa 3.000 auf. Man beobachte zwar, dass in manchen Bundesländern momentan Wettlokale zugemacht wurden. Dies bringe aber nichts, wenn zwei Wochen danach das Wettbüro woanders mit einem anderen Geschäftsführer wieder öffne, so der Berater.

Die juristische Unsicherheit, was gestattet sei und was nicht, sei immens hoch. Hier kommt noch der Schwarzmarkt in den Hinterzimmer dazu, den Goldmedia in der Bundesrepublik mit etwa einer Milliarde Euro ansetzt. Die Zahlen zeigten, dass die Mehrheit der Einsätze an Staatsanbietern vorbeigeht, so der Berater.

Nur bescheidene 185 Millionen Euro Gewinn konnte Oddset einfahren und die Tendenz ist weiterhin sinkend. Oddset ist der Zusammenschluss der 16 Landeslotteriegesellschaften der Bundesländer. Er ist damit der staatliche Anbieter von Sportwetten in Deutschland. Aufgrund des staatlichen Wettmonopols kann man Sportwetten bei Oddset auch in sämtlichen anderen Annahmestellen für Lotto tätigen.

Doch dass nützt herzlich wenig, da die Gewinnquote bei den Buchmachern im Netz üblicherweise viel höher als bei Oddset liegt. Wenn man beim Staatsanbieter zu Beispiel wettet, dass Bayern München diese Saison den Meistertitel holt, bekommt eine Quote von 1,45. Für Schalke mit der Meisterschale bekommt man eine Quote von 6, sprich, wenn dies eintritt, den sechsfachen Einsatz.

Für St. Pauli, den Außenseiter schlechthin, liegt die Quote bei 300. Bei der privaten Online Plattform mybet hingegen bekommt man für die Bayern mit der Meisterschale eine Quote 1,6, für Schalke gibt es 9,5 und für St. Pauli 1001. Ein Quotenvergleich ist also immer eine lohnende Sache.

Sogar für dasselbe Spiel haben die Buchmacher meist verschiedene Bedingungen parat. Es liegt auch am System, dass Oddset keine Quoten in dieser Höhe ausschütten kann. Oddset zahlt nach eigenen Angaben ein Sechstel der Umsätze aus den Wetten als Lotteriesteuer. Dazu kommt, abhängig vom Bundesland eine Konzessionssteuer in Höhe von 15 bis 20 Prozent.

So werden zahlreiche gemeinnützige Projekte unterstützt, wie beispielsweise im Jugend-, Breiten-, oder Behindertensport. Hier gehen viele Gewinne noch flöten. Oddset ist bei den Wettfans auch deshalb nicht sonderlich beliebt weil der Großteil der Spiele nur in Dreierkombinationen gespielt werden können.

Wenige davon gibt es als Zweierkombi und kaum eines als einzelne Wette. Zudem ist die Anzahl der Spiele, die angeboten werden, recht klein. Der deutliche Vorteil von Oddset ist aber, dass sich seine Annahmestellen, die fast überall und in ländlichen Gegenden zu finden sind, vermehren und somit auch die Gesetzmäßigkeit.

Der Glücksspielexperte Schmid ist dennoch der Ansicht, dass, selbst wenn noch mehr Wettlokale zugemacht würden, wechselten die Wetter entweder zu den Online-Angeboten oder zum stationären Schwarzmarkt in die Hinterzimmer.

Niemand wird, auf der Grundlage des momentanen Angebots, zu Oddset gehen. Doch es gibt noch einen Hoffnungsschimmer. Der umstrittene Glücksspielvertrag verliert Ende nächsten Jahres seine Gültigkeit, wenn nicht mindestens 13 von 16 Bundesländern einer Fortführung zustimmen.

In den von der FDP mitregierten Bundesländern Schleswig-Holstein, Sachsen und Niedersachsen, verlangt die Partei nun, den Glücksspielvertrag neu zu regeln. Ob dies glückt, steht allerdings noch in den Sternen. Eine Quote wird in den Wettbüros hierzulande noch nicht angeboten.



geschrieben am 03.09.2010 von Nina Berger






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