Spiele nicht nach Gutdünken beeinflussbar
Der Informatiker Erdmann betreibt an der Universität Jena Studien zum Thema Glücksspiel. Er möchte wissen, wie man festlegen kann, ob ein Spiel ein reines Glücksspiel ist oder ob man auch eine Strategie braucht, um im Spiel Erfolg zu haben.
Eines weiß er nun ganz sicher, nämlich, dass man den Einfluss des Spielers auf das Spiel gewaltig überschätzt, wie im wahren Leben auch. Seine Doktorarbeit trägt den Titel "Zur Einordnung von Glück und Strategie in Spielen" und darin will er die Eigenschaften der Spiele näher beleuchten. Wer legt letzten Endes fest, welches Spiel ein Glücksspiel ist und welches nicht?
Laut Erdmann sei die Palette riesengroß. Sie reiche von purem Glücksspiel wie Roulette bis hin zum Strategiespiel schlechthin, dem Schach. Um beim Backgammon sind kluge Entscheidungen genauso gefragt wie eine Portion Glück, wenn man gewinnen will. Um eine Aussage über die Eigenschaften unterschiedlicher Spieler zu machen, hat er ein Modell entworfen, welche auf einem Spiel von Althöfer "Ein Stein würfelt nicht" basiert. Hierzu entwickelte Erdmann ein Modell, welches die Spielzüge darlegt und die darauf folgenden Züge mit berücksichtigt, dies nennt man einen Spielbaum.
Der Entwurf ist zudem so ausgerichtet, dass sämtliche Spieler den kompletten Spielstand kennen. Poker kann folglich nicht mit diesem Modell dargestellt werden, weil die Spieler den gesamten Spielstand nicht kennen. Die Thesen, die Erdmann mit seinem abstrakten Entwurf über die Eigenschaften bestimmter Spiele aufstellen kann, verallgemeinern den Sachverhalt natürlich, da der Einfluss der Spieler bei jedem Spiel eine Rolle spielt. Es ist beispielsweise ein Unterscheid, ob zwei Kinder oder zwei erwachsene Tic Tac Toe spielen.
Für die Kinder ist es ein Strategiespiel, für die Erwachsenen ist es das nicht mehr, da sie es komplett analysiert haben, sagt Erdmann. Das heißt, dass ein eindeutiger Maßstab von Glücks- und Strategiespielen unmöglich ist, denn um ein Spiel zweifelsfrei klassifizieren zu können, müsse man es für den tatsächlichen Spieler analysieren, so Erdmann. Bei einem Casino Spiel wie Roulette, welches sich großer Beliebtheit erfreut, kann man mithilfe von Erdmanns Modell ganz klar sagen, dass die Zeit hier entscheide, ob es ein Glücksspiel sei oder nicht.
Werde nur über einen nicht langen Zeitraum gespielt, sei Roulette ein reines Glücksspiel. Spiele man Roulette über einen längeren Zeitraum, gewinne immer die Bank, so Erdmann. Dies ist eine bittere und schmerzhafte Tatsache. Seine Arbeit ermöglicht Erdmann nicht nur Aussagen zu den Eigenschaften von verschiedenen Spielen zu machen, sondern auch darüber, wie Menschen Einfluss auf ihr tägliches Leben ausüben können. Doch auch diese These sei doch etwas schmerzhaft, denn diese Arbeit zeige, dass man im alltäglichen Leben seinen Einfluss grundlegend überschätze.
geschrieben am 09.07.2010 von Nina Berger
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