Schmuckstück an der Schlachte
Der Boden erzittert und über alles hat sich ein dünner roter Staubfilm gelegt. Aus einem der hinten gelegenen Räumlichkeiten ist das Geräusch eines Presslufthammers in der Halle zu hören. Wo in Zukunft in moderner Umgebung Poker und Roulette gespielt werden soll, prägen heute noch Beton, rissige Decken und Stahlträger das Gebäude.
Der Umbau für die neue Spielbank in Bremen läuft wie geschmiert. Vor der Langenstraße Nummer 38 bis 42 befinden sich zwei Mulden für Bauschutt. Immer wieder bringen Arbeiter Steine und Fliesen in Schubkarren nach draußen. Das Gebäude ist laut Franz Hirthammer 104 Jahre alt. Für die zukünftige Benutzung als Casino sind großangelegte Umbaumaßnahmen nötig. Beispielsweise muss die Statik mithilfe von unzähligen Stahlträgern und Stützen ausgebessert werden.
Es sind schon 50 Tonnen an Metall zusätzlich eingebaut worden. Hirthammer ist der Leiter der Stabsstelle Bauwesen bei Westspiel, die auch die Spielbank unterhält. In der Vergangenheit war das Casinospiel stark zurückgegangen, so dass die Zuständigen über einen Umzug des Casinos beratschlagt haben. Im Jahr 2002 betrugen die Einnahmen aus Glücksspiel noch 25 Millionen Euro, sieben Jahre später waren es über die Hälfte weniger. Der in der Böttcherstraße befindliche Standort wurde deshalb an problematisch angesehen, weil keiner die Chance hatte, mit dem Auto zum Spiel zu kommen.
Highlight der Bremer Gedankenspiele zum Umzug war vor fünf Jahren gewesen, die Zulassung für die Spielbank neu zu verteilen und am ehemaligen Space Park mit der Unterstützung amerikanischer Investoren ein Casino im Stil von Las Vegas aufzuziehen. Spätestens seit Februar letzten Jahren haben die Betreiber den neuen Standort an der Schlachte fest im Blick. In Bremen wurden vorher eine Reihe möglicher Standorte ausgewählt und als nicht passend eingestuft worden, wie beispielsweise in der vorderen Überseestadt. Nun konzentrieren Hirthammer und Wiebeck, welcher sich als einer von zwei Casino Direktoren um das Automatenspiel im Breitenweg kümmert, ihre ganze Konzentration auf den 3. Dezember.
Dieses Datum ist, wenn nichts dazwischenkommt, für die Eröffnung der Spielbank angedacht. Im Fokus der Bauarbeiten steht zurzeit der zukünftige Spielsaal mit den etwa 50 m2, das komplett mit Glas überdacht ist. Allerdings sei hier nach Fertigstellung kein Tageslicht mehr vorzufinden, so Wiebeck. Um den Raum noch zu vergrößern, haben die Bauarbeiter Wände zu den daneben befindlichen Räumen herausgebrochen. Ein Novum dieser neuen Spielbank werde sein, dass hier traditionelle Spiele wie Poker und Roulette gemeinsam mit Automaten gespielt werden können. Die sei gänzlich neu.
Damals sei man davon ausgegangen, dass beide Offerten verschiedene Zielgruppen herlocken würden. Nun setzt Westspiel auf die gegenseitige Ergänzung der Angebote. Die Automaten werden am Rand untergebracht, abgetrennt durch Glasscheiben. Hirthammers Vorhaben besteht darin, schon im Juli, den Stahlbau und die Maurerarbeiten fertig zu stellen, um dann mit den technischen Dingen zu beginnen. Der Umbau des alten Hauses ist alles andere als leicht. Man müsse konstruktiv alles herholen, was möglich sei. Beispielsweise werden die tragenden Stützen noch mit Stahl gesichert.
Die Decke gehört ebenfalls dazu, die an manchen Stellen schon durchbiegt und gestützt wird. Man erlebe jeden Tag neue Überraschungen. Zum Innenausbau gehört laut Wiebeck, ein Hohlraumboden, der für die Versorgungsleitungen vorgesehen ist. Der Stil der Innenausstattung soll nach seinen Angaben, dem historischen Gebäude zum Trotz, in eine moderne Richtung gehen. Im Gegensatz zu den Ornamenten aus Stuck, die teilweise mehr als sechs Meter hoch sind. Im Großen und Ganzen bestätigen Hirthammer und Wiebeck, dass Westspiel 10 Millionen Euro in den Neubau an der Schlachte steckt. Dafür, so Hirthammer, werde das Interieur zur Lage passen.
Dies werde zu einem exklusiven Standort und etwas Wunderbares. In Absprache mit dem Pfleger für Landesdenkmäler erhält das Gebäude, welches Privatbesitz ist, einen zweiten Eingang zur Schlachte. Es schließlich das Ziel, von den zahlreichen Fußgängern auf der Weserseite seinen Nutzen zu ziehen, mahnt Wiebeck. Pläne bezüglich eines Schlachte- Eingangs, welcher Elemente der ursprünglichen Fassade wieder annimmt, gab es vor dem Krieg schon einmal. Mit dem Umzug will Westspiel den Rückgang des Umsatzes aufhalten.
Wiebeck, der regelmäßig auf die Baustelle kommt, hat ein gutes Gefühl, dass das Vorhaben mit der neuen Spielbank gut laufen wird, denn von diesen Räumlichkeiten gehe eine Faszination aus. Es ist schon ein Tresor in den Räumen vorhanden, in denen sich in Zukunft alles um das große Geld drehen wird. Er ist ein ziemlich altes Modell, das aus weißlackierten Metall besteht und ein wenig einem alten Kühlschrank ähnelt. Die Arbeiter haben ihn per Zufall hinter einer Verschalung gefunden, der neue Tresor ist noch nicht da.
geschrieben am 01.07.2010 von Nina Berger
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