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Macau ist absolut im Kommen


Seit China Macau vor 11 Jahren zurückerhielt, hat sich die Lage in der ehemaligen portugiesischen Kolonie sehr geändert. Das Glücksspiel stellt immer noch den wichtigsten Industriezweig im "Las Vegas des Fernen Ostens" dar.

Das Werbemotto "Lets go lucky" von der City of Dreams, eines neuen Glücksspielzentrums in Macao, ist am Macau-Ferry-Terminal in Hongkong angebracht. Der passt hierhin wie angegossen, denn jedes Wochenende kommen Tausende Hongkonger auf die großen Schnellboote, die in zur Rush Hour jede Viertelstunde verkehren.

Sie schaffen die Strecke zwischen Hongkong und Macau in einer knappen Stunde. Die meisten Passagiere wollen schnell viel Geld machen. Oder sie möchten wenigstens während eines gemütlichen Wochenendes von Hongkongs stressigem Alltagstrott Abstand haben.

Wer denkt, Macau bestreite seinen Lebensunterhalt vornehmlich von Touristen aus Hongkong, der irrt sich gewaltig. Seit die ehemalige portugiesische Kolonie wieder zu China gehört, hat sich die Besucherzahl auf 21 Millionen verdreifacht, die große Mehrheit kommt vom chinesischen Festland, auf dem das Glücksspiel untersagt ist.

Nur im "Las Vegas des Fernen Ostens" ist es erlaubt. Es macht den Eindruck, dass Peking von 1999 an bestrebt war, den ehemaligen portugiesischen Außenposten am Perlfluss, dessen Einwohner zu 94 Prozent chinesisch sind, in die Moderne zu führen. Seitdem wächst und gedeiht diese unabhängige chinesische Sonderverwaltungsregion derart, dass sie von den offiziellen Tourismusbehörden mit gutem Recht als "Boomtown" verkauft werden kann.

Besonders auf der mittleren Insel Taipa, auf der luxuriöse Hotels und Casinos wie Pilze aus dem Boden schossen und immer noch schießen, wird dies ersichtlich, wie beispielsweise das vor drei Jahren eröffnete "Venetian". Dies ist das Gegenstück zum "Venetian" in Vegas. Das Hotel mit 2.000 Zimmern, das im Stil eines venezianischen Palastes erbaut ist, beeindruckt durch seine Monumentalität und durch seine prunkvolle Einrichtung.

Die im Parterre befindliche Glücksspielwelt ist voll von Luxus und reich verziert. An 800 Tischen und an über 300 Slots spielt, fiebert und zittert man. 24 Stunden lang und sieben Tage die Woche, hier man das Wochenendgeschäft den größten Gewinnanteil aus. Wenn man die kontrollierte Geschäftigkeit im Saal beobachtet und dabei konstatiert, dass die Bank fast immer der Gewinner ist, der glaubt gerne, dass das Geschäft mit dem Glück boomt.

Man wird sich auch wenig darüber wundern, dass die Gewinne der ansässigen Casino Betreiber immer weiter in die Höhe klettern. Im letzten Mai lag der Umsatz bei 2 Milliarden Dollar, viermal so hoch wie in der Glücksspielhochburg Las Vegas.

Hier muss man allerdings berücksichtigen, dass Macau immer noch zu 80 Prozent seine Existenz mit dem Glücksspiel bestreitet, während der Anteil der Casino Gewinne an den gesamten Gewinnen in Las Vegas weniger als die Hälfte beträgt. Die Diversifikation ist, was die exzellente Unterhaltung, die erlesenen Shows und dem Shopping und dem Dining a gogo angeht, in den USA schon viel weiter als in Macau.

Das hat seinen Hintergrund. Macau festigt immer noch seinen Platz als die "Spielbank Chinas". Die meisten Touristen wollen nur eines: Spielen. Die meisten werden außerdem von den chinesischen Agenten im Milieu der umstrittenen Geheimbünde hergebracht und mit Krediten versehen.

Allerdings muss man hier zwei Gruppen auseinanderhalten. Die Masse und die VIP-Gäste. Während der durchschnittliche Wetteinsatz bei den Massen allen Verlautbarungen nach etwa 70 Franken beträgt, ist er bei den VIPs 60mal höher. Anders gesagt, das große Geld kann nur bekommen, wer viel riskiert und es sich leisten kann, eine Menge zu verlieren.

Die modernen Betreiber von Casinos betrachten ihren Kunden mehr als Konsumenten denn als Gäste. Ganz gleich, ob sie am Spieltisch gewinnen oder verlieren, sie sollen so wie Geld wie nur möglich hier lassen. Deswegen sind im Einkaufszentrum des "Venetian" das den passenden Namen "The Grand Canal Shoppers" trägt, fast alle führenden Luxusmarken des Erdballs vertreten.

Die Schweiz ist hier mit über einem Dutzend Marken aus der Uhren- und Schmuckindustrie vertreten. Von den hier gemachten Gewinnen kann man nur träumen, so heißt es. Mit einem Lächeln betrachtet man das elegante Geschäft von Louis Vuitton, dessen Schaufenster so kunst- und liebevoll ausgestattet ist, dass sich viele Chinesen fast demutsvoll hier ablichten lassen.

In dem Einkaufsparadies wurde ein künstliches Kanalnetz angelegt, auf dem Gondeln nach venezianischer Art fahren. Anstatt italienischer Fahrer steuern Filipinos und Filipinas die Gondeln. Dieses sind meist gelernte Opernsänger, die in der künstlich erbauten Welt von Markusplatz und der Rialtobrücke Arien und Ständchen zum Besten geben.

Das muss man erst gesehen haben um es für bare Münze zu nehmen. Das alte Macau aber lohnt ebenfalls einen Besuch. Hier ist der portugiesische Einfluss immer noch zu merken und zu sehen. Eine der ältesten Straßen hat beispielsweise den Namen Rua de Felicidade. Dies beweist, dass der Ort immer schon ein Eldorado für Glückssucher und Glücksritter war und das lange bevor sich die ersten Casinos hier niederließen.

Die Straßen tragen immer noch einen chinesischen und einen portugiesischen Namen. Die bekannte lusitanische Süßigkeit Pasteis de nata heißt hier "Portuguese cookies".Das Erbe Portugals stell nur noch die Kulisse in einer mehr und mehr chinesischen Umgebung dar. Zwar hält man die Ruinen, Kirchen und Denkmäler aus der Kolonialzeit in Schuss, doch sie sind für die meisten Bewohner nur noch eine schöne Fassade.

Wie beispielsweise, die der bekannten Pauluskirche, die die Jesuiten hier im 17.Jahrhundert bauten und von der nur noch die Fassade übrig ist, nachdem die Kirche Opfer eines großen Brandes im Jahr 1835 wurde. Macau hat im Hinblick auf Gesellschaft und Wirtschaft dem asiatischen Festland derart angepasst, so dass sich auch die restlichen 20.000 Bewohner von Macau sich in ihrer Heimat mehr und mehr fremd fühlen.

Sie, die in ihren Sonntagskleider den Gottesdienst besuchen und in der Mehrzahl Portugiesisch und die Sprache Macaus sprechen, wirken wie aus anderen Ära. Sie stützen sich aufeinander, da sie merken, dass sie alles verlieren. Auch viele portugiesische Rechtsanwälte arbeiten noch hier, da die Justiz noch immer aus den Grundsätzen von Portugal fußt.

Die zuständigen Ämter sind der Gefahr, die diese Situation in sich birgt, durchaus bewusst. Macau ist total abhängig von den Casinos und der Kundschaft aus China. Deswegen will die Regierung eine bestimmte Diversifikation weg hiervon zum einem breit gestützten Tourismus durchsetzen.

Doch der Weg ist steinig, obwohl Macau über zahlreiche kulturelle und historische Orte verfügt, welche wegen ihrer Kombination aus portugiesischen und chinesischen Hinterlassenschaften einzigartig und deshalb durchaus einen Besuch wert sind auch und spezielle für Urlauber, die mit dem Glücksspiel nichts anfangen können.

Dies gilt insbesondere für das malerische Stadtzentrum von Macau, welches in den vergangenen Jahren immer mehr autofrei wurde und sich perfekt für einen Bummel eignet. Vor fünf Jahren kam es auf die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO. Hier befindet sich auch der Tempel der Göttin A-Ma, die dem Gebiet seinen Namen "die Bucht der Göttin A-Ma" gegeben haben soll.

Hier ist auch das Dom Pedro V Theatre zu finden, das das erste westliche Theater in China ist und dem portugiesischen Adel einst zu Unterhaltung diente. In diesem soll auch "Madame Butterfly" von Puccini in Asien uraufgeführt worden sein.

Heute ist das Theater ein beliebter Ort für kulturelle Veranstaltungen und für die "Prozession unserer Frau von Fatima", die alljährlich stattfindet. Die in unmittelbarer Nachbarschaft befindliche Lou Kau Mansion mit ihren alten chinesischen Mauern bietet klassisches chinesisches Handwerk. So entwickelt sich eine Harmonie von Ost und West, wie sie im restlichen Asien schwer auffindbar ist.



geschrieben am 30.08.2010 von Laura Koch






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