Erholt sich Las Vegas wieder von der Wirtschaftskrise?
Die Arbeitslosigkeit ist in Las Vegas äußerst hoch und viele Menschen verlieren ihre Wohnung an die Bank. Die Wirtschaftskrise hat kaum eine Stadt so schwer heimgesucht wie Las Vegas.
Das Cosmopolitan Ressort mit 3000 Zimmern, einem Casino, einem Theater, Kongresshallen mit Einkaufzentrum, elf Restaurants und 72 Bowlingbahnen soll das neue Goldstück am Strip der Stadt abgeben. Gerade neben dem weltbekannten Bellagio und in der Nähe den MGM Grand stehen schon die beiden Glastürme des Ressorts.
Noch ist das fantastische Hotel eine Baustelle und die prunkvolle Eröffnung soll erst im Dezember stattfinden. Über 3 Milliarden Dollar ist der Bau teuer, eine Investition zu der keine Stadt Nein sagen würde. Nichtsdestotrotz sitzt die Stadträtin von Las Vegas in ihrem Büro nur ein paar Straßen entfernt und schüttelt den Kopf.
Sie habe gelernt, sich von dem Glitzer und Glamour nicht blenden zu lassen. Man befindet sich tief in der Krise und dort werde man die nächsten 10 Jahre auch bleiben. Sie kümmert sich um das Stadtviertel Paradise, welches in den Vereinigten Staaten zu traurigem Ruhm gelangt ist.
1,6 Millionen Besitzern von Eigenheimen wurden im ersten Halbjahr dieses Jahres das Eigenheim zwangsweise gepfändet, nirgendwo sonst waren es pro Einwohner so viele Menschen. Hier hängt über jedem zehntem Haushalt das Damoklesschwert der Pfändung. Seit knapp vier Jahren führt die Stadt in Nevada die Spitze der Pfändungsliste der USA an.
Die Hilfsprogramme des Staates, Washington bietet Hausbesitzern, die ihren Besitz aus freien Stücken verkaufen, die Übernahme ihrer Restschulden, Nevada hat ein obligatorisches Mediationsprogramm für Bankgläubiger und Schuldner ins Leben gerufen, konnte hier aber wenig bewegen. Im Gegensatz dazu erleben neuen Geschäftszweige in der Stadt einen Aufschwung.
An jeder Ecke finden sich Reklamen für Anwälte und Makler, die total verschuldeten Hausbesitzern Hilfe anbieten. Sie stellen für ein paar Tausend Dollar "Garantien" gegen Pfändungen an, häufig ohne Gewerbezulassung und illegal, die Staatsanwaltschaft befasst sich mit über 200 Fällen. Doch Pfändungen sind nicht die einzige Schwierigkeit der Stadt.
Zwar konnte man im letzten Jahr etwa 37 Millionen Touristen in der Stadt verzeichnen, doch das ist in den Schleuderpreisen zahlreicher großer Hotels begründet. Zimmer kann man werktags schon ab 40 Dollar buchen. Um gewinnträchtig zu bleiben, waren die Hotelketten gezwungen, Tausende von Angestellten zu entlassen. Die Arbeitslosenquote beträgt hier 14,3 Prozent, dies ist bislang der höchste Wert in den Vereinigten Staaten.
Wenn man die Stadträtin nach den Gründen für den Fall fragt, dann antwortet sie, dass sich mit dem Aufschwung der Wirtschaft die Bevölkerung innerhalb von 10 Jahren verdoppelt hat. Aber außer tollen Casinos hat man nichts weiter errichtet, kein Gewerbe und man hat keine Industrie hergelockt. Als Konsequenz kann die Stadt nach dem tiefen Fall nicht mehr aufstehen.
Die Geschichte eines zu schnell gewachsenen Goldlandes. Noch vor drei Jahren wurden fast jede Woche neue Siedlungen hochgezogen, nun wird nichts mehr errichtet. Der Chef der Maklervereinigung der Stadt veräußerst aber beinahe so viele Häuser wie vor dem Einbruch. Seine Makler setzen schon 4.000 Eigenheime monatlich abgesetzt. In Folge der Pfändungen sind die Preise pro Quadratmeter um die Hälfte und mehr gesunken.
Große Häuser in optimaler Lage mit Garten kann man häufig für 100.000 Dollar oder weniger kaufen. Seit Beginn dieses Jahres ziehen diese Tiefpreise Tausende von Investoren an. Momentan ist jeder zweite Hauskäufer in der Stadt auf der Suche nach einem Investitionsobjekt und keine Unterkunft, so der Chef.
Die Käufer kommen aus allen Herren Länder, besonders aus Kanada, China oder Japan. Die meisten Investoren hängen einfach an dem Mythos von Vegas, daran dass die Preise wieder klettern werden und sich alles mit einem satten Gewinn weiter verkaufen lässt, so der Chef. Fast die Hälfte seiner Kundschaft blättere den Kaufpreis in Scheinen hin.
Dass jeder einem Irrtum unterliegen könnte und nur die nächste Preisblase kommt, dieser Ansicht ist der Chef der Maklervereinigung nicht. Irgendwann muss ja die Talsohle kommen, denn der Absturz kann nicht endlos sein.
geschrieben am 09.09.2010 von Nina Berger
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