China weiß nicht was es will – wirtschaftliche Vorteile oder Verbote von Glücksspielen
Wenn in Deutschland das asiatische Land China und dessen Gesellschaft diskutiert wird, dann ist von obskuren Situationen in Politik und Rechtswesen die Rede. Sie zeigen deutlich, dass China uneinig und restriktiv ist. China schockiert die internationale Gesellschaft mit seinen unbarmherzigen Sanktionen gegen Regierungskritiker, Menschen- und Bürgerrechtler, wie an Weihnachten vergangenen Jahres. Der Vorsitzende des Pen-Clubs in China, Liu Xiaobo wurde aufgrund seinen öffentlichen Engagement für Bürgerrechte zu 11 Jahren Gefängnis verurteilt.
Schon vor der Frankfurter Buchmesse hatte die chinesische Regierung für Aufsehen gesorgt, als sie verlangte, regierungskritische Autoren auszuladen. Doch diese Justiz hat es nicht nur auf Menschenrechtler und Dissidenten abgesehen. Einem anscheinend geistig verwirrter Brite mit pakistanischen Wurzeln wurde anscheinend Drogen im Reisegepäck untergeschoben. Gegen den Mann wurde ohne detaillierte Überprüfung der gegebenen Situation die Todesstrafe verhängt. Der geistige Zustand des Mannes wurde trotz Forderung der Verwandten an die Behörden nicht berücksichtigt und ein psychiatrisches Gutachten nicht ausgeführt.
Das Urteil wurde wenig später auch vollzogen. Auch illegale Anbieter von Glücksspielen, besonders Sportwetten ist den Strafverfolgungseinrichtungen ein Dorn ein Auge und werden nicht mit Samthandschuhen angefasst. Auf fast 70 Verbrechen mit und ohne Gewaltanwendung steht die Verurteilung zum Tode. Dazu gehören auch Bestechlichkeit und Schwarzgeld. Doch die Zockermafia, die noch rapider neue ungesetzliche Spielwebseiten in Netz stellt, lässt das kalt. Das Wort Mafia kann man hier ruhigen Gewissens gebrauchen, denn die Anbieter sind im Milieu von kriminellen Buchmachern und Wettbetrüger umtriebig. Das Fundament für dieses Treiben ist die chronische Leidenschaft für Glücksspiel der chinesischen Bevölkerung, die im Gegensatz anderen Ländern enorme Summen verprassen.
Diese Leidenschaft ist tief in der chinesischen Kultur verankert, diese ist ein Part des rechtmäßigen Strebens nach Glück, Wohlstand und Anerkennung und konnte auch von den Kommunisten nicht ausgerottet werden , die 1949 das Glücksspiel verbot und Teilnahme daran schwer bestraften. Doch die Chinesen vom Glücksspiel fernzuhalten ist genauso realitätsnah wie in Deutschland die Bundesligaspiele ins Pay-TV zu verlegen. In den 80ern machte die chinesische Regierung lieber eigene Angebote als immens hohe Geldsummen in ungesetzmäßigen Kanälen versickern zu sehen.
Die Teilnahme daran war sehr hoch und damit war eine neue wirtschaftliche Branche ins Leben gerufen, über 10 Milliarden Dollar im Jahr schwemmen die tipptollen Chinesen in die Staatskasse. Doch die andere Seite der Medaille ist, dass illegale Anbieter einen sehr viel höheren Gewinn erzielen und dem kriminellen Wachstum in Bezug auf das gewinnträchtige Wettgeschäft ist neue Nahrung gegeben. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass der Eklat, der Ende vergangenen Jahres die europäischen Fußballligen ins Wanken brachte, mit China in Verbindung gebracht werden kann.
Die meisten dubiosen Wetten wurden von dort aus getätigt. Die chinesische Regierung ist nicht nur bemüht, die Kriminalität zu bekämpfen, sondern die staatlichen Angebote noch zu vergrößern, dies soll durch die Zulassung von Wetten im Netz und per Handy umgesetzt werden. Doch diese Bemühungen sind selbst der Regierung nicht ganz geheuer, was sie schon mehrfach bewiesen hat. Man kann sich nicht zwischen der ökonomischen Wichtigkeit der lukrativen Einnahmequellen und dem Verlangen, die Spielleidenschaft zu drosseln und mehr zu kontrollieren entscheiden.
Dies wurde deutlich, als Peking im Sommer 2008 versuchte, per Einreisebeschränkungen den Zutritt zum Spielerparadies Macao einzudämmen und Probleme wie unter anderem Geldwäsche und Bestechlichkeit unter Kontrolle zu bekommen. Dies war nur mit mäßigem Erfolg gekrönt.
geschrieben am 27.04.2010 von Nina Berger
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